Im Warten stark werden

Das Warten

Der Herr ruft uns als Familie gerade dazu auf, auf ihn zu warten. Als unser Familienauto vor gut 2 1/2 Monaten kaputt ging, war es für uns keine Frage, dass Gott schnell und zügig uns ein neues Auto zur Verfügung stellen wird. Schließlich braucht man als 6köpfige Familie Mobilität. Als dann aus den Tagen Wochen wurden, wuchs die Ungeduld und das Unverständnis. Warum handelt Gott nicht? Sieht er nicht, wie es uns geht? Weiß er nicht, was wir brauchen?

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Wir sind herausgefordert, Gott zu vertrauen, obwohl wir sein Handeln nicht sehen. Wir sind herausgefordert, auf seine Stimme zu hören, obwohl wir nur Stille vernehmen. Wir sind herausgefordert, seinem Wort zu glauben, auch wenn die momentanen Umstände uns das Gegenteil einreden wollen.

Wir als Ehepaar merken ganz deutlich, dass diese Zeit eine tiefgehende Lektion in Sachen Gottvertrauen in sich birgt. Wenn Gott uns zum Warten auffordert, dann können wir nichts weiter tun – als warten. Das geht gegen unseren Aktionismus,  gegen das Verlangen, alles unter Kontrolle zu haben. Alles in uns schreit danach etwas zu tun, die Situation zu ändern und es kostet uns alles, uns vor Gott zu beugen und still zu werden. Wir denken, warten ist ein Zeichen von Schwäche, von Unvermögen. Dabei formt Gott im Warten unseren Glauben. Die Schwere, die das Warten oft mit sich bringt, zerbricht uns nicht, sie prägt vielmehr Gottes Charakter, Seine Wahrheiten tief in unser Herz. Wir liefern uns ihm völlig aus, vertrauen ihm mit allem und lernen dabei: Gott ist vertrauenswürdig. Auf ihn ist Verlass. Sein Wort ist wahr.

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Ein Glaubenskampf

Warten im Reich Gottes ist keineswegs passiv. Wir lehnen uns nicht bequem zurück und lauern ungeduldig darauf, dass Gott endlich zu uns durchbricht. Nein, wir sagen wie Jakob ‚Ich lasse dich nicht los, bevor du mich gesegnet hast.‘ (1. Mose 32, 27) Wir durchkämpfen unsere Gebete. Wir weinen und klagen. Wir jubeln über die Versorgung, die wir noch nicht sehen können. Wir bemühen uns stille zu sein vor ihm. Wir lassen sein Wort reden und suchen in ihm ernsthaft nach Antworten, nach Zuspruch. Wir machen uns eins mit seinem Willen, wir trachten zuerst nach seinem Reich und vertrauen darauf, dass uns alles andere zufallen wird. (Matthäus 6,33)
Das Warten eines Christen auf den Durchbruch ist nicht naives Wunschdenken. Es ist reiner, tiefer Glaubenskampf. Es ist eine Herausforderung, die uns schult, Jesus noch mehr zu vertrauen und uns ihm noch mehr hinzugeben. Das Warten entlarvt unser unnötiges Gepäck, das wir in der Nachfolge Jesu mit uns herum schleppen, es enttarnt falsche Sicherheiten, lässt uns sehen, wo wir Schätze auf dieser Erde sammeln, anstatt im Himmel. Warten schält unser Ego wie eine Zwiebel, Haut für Haut wird abgezogen und schließlich bleiben wir weich und formbar für Jesus zurück.

Der Weg ist das Ziel

Wir sollen das Warten gar nicht als nervtötendes Durchgangsportal zur Verheißung erleben. Der Weg ist das Ziel. Der Prozess des Wartens ist mindestens genauso wichtig, wie das Ankommen, das Sehen, das Schmecken und Erkennen. Unser ganzes Leben auf dieser Welt ist ein einziges Warten: ‚Was ist nun also der Glaube? Er ist das Vertrauen darauf, dass das, was wir hoffen, sich erfüllen wird, und die Überzeugung, dass das, was man nicht sieht, existiert.‘ Hebräer 11,1 Ohne diesen kindlichen Glauben ist es unmöglich, Gott zu gefallen! (Vers 6). Wenn wir also in unserem Leben immer wieder vom Heiligen Geist in Wartephasen geführt werden, dann wird in erster Linie unser Glaube geformt und gefestigt. Das ist eine Prozedur, die zwar weh tut und uns viel abverlangt, aber die Augen unseres Herzens öffnet und uns viel klarer sehen lässt, wozu wir eigentlich leben. Was unsere Berufung ist. Dass wir mit all unserem Sein nur auf Jesus ausgerichtet sein sollen! Das Warten fokussiert unseren Blick auf das Wesentliche.

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Auf Weihnachten warten

Wenn du schon länger auf einen Durchbruch wartest, dann gib nicht auf. Gestern habe ich Gott wieder gefragt, warum er uns nur so lange auf ein Auto warten lässt. Als ich ihm meine Sorgen klagte, spürte ich in meinem Herzen diese Antwort: ‚Es ist noch nicht Weihnachten.‘ Das war erstmal ein eigenartiger Gedanke, aber dann erschloss er sich mir: wir als Eltern würden unseren Kindern nie die Weihnachtsgeschenke VOR Weihnachten geben. Die Vorfreude ist schließlich die schönste Freude und der 24. Dezember ist ein festgelegtes Datum, an dem die Geschenke ausgeteilt werden. Gott weiß jetzt schon Zeit und Datum, wann wir unser Familienauto bekommen werden. Und er denkt im Traum nicht daran, uns die Vorfreude kaputt zu machen! Meine Aufgabe als Kind Gottes ist es zu warten und mich zu freuen auf das wundervolle Geschenk, welches der himmlische Vater uns machen wird. Ich bin mir sicher, er freut sich schon sehr auf unsere Reaktion. Genauso wie wir uns als Eltern die überraschten Gesichter unserer Kinder ausmalen, wenn sie ihre Geschenke auspacken.  Im Verborgenen bereitet Gott gerade alles vor und plant bis zur Perfektion. Nein, ich will nicht vorzeitig nach meinem Geschenk suchen. Ich will geduldig auf unser „Weihnachten“ warten. Es wird kommen!

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Und so wollen wir dich ermutigen, dass du weiter auf deinen Durchbruch wartest. Dass du weiter Gott darum bittest und nicht davon ablässt, Großes von ihm zu erwarten. Dass du dich in dieser Phase des Wartens Gottes Willen beugst. Dass du betest, dein Wille geschehe! Der Herr ist treu und er kann und wird soviel mehr tun, als wir erbitten oder erhoffen können (Epheser 3,20).

‚Deshalb beugt euch demütig unter die Hand Gottes, dann wird er euch ehren, wenn die Zeit dafür gekommen ist.‘ 1. Petrus 5,7

 

 

 

 

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Fürchte dich nicht

Es hat uns in den vergangenen Wochen fast den Atem verschlagen. So viele schreckliche Dinge sind passiert, dass man kaum hinterher kam und schon ein mulmiges Gefühl hatte, die Tagesschau App zu öffnen.

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Die Begriffe ‚Islamistisches Attentat‘, ‚Selbstmordattentäter‘ rückten plötzlich mit so vertrauten Orten wie Würzburg, Ansbach, Reutlingen zusammen. Das, was bis vor kurzem noch weit weg war, passiert mit einem Mal fast vor der eigenen Haustüre.

Worte können kaum beschreiben wie dankbar wir sind, dass es Orte wie den Gebetsraum in Augsburg gibt. Orte der Hoffnung. Orte der Zuversicht. In Bremen, in Stuttgart, in Nürnberg – überall wird gebetet und nicht erst seit den Anschlägen. Das ist die gute Nachricht in diesen verwirrenden, angstmachenden Zeiten! Unsere Gebete machen den Unterschied. Unsere Gebete bringen Licht ins Dunkel. Unsere Gebete sind wie ein Anker für unsere Herzen. Unsere  Gebete richten unseren Blick neu aus auf Jesus und rücken die Geschehnisse wieder in die richtige Perspektive.

Jesus spricht in den Schrecken unserer Tage laut und deutlich: ‚Fürchtet euch nicht.‘

Und das möchte ich dir zusprechen. Der Herr sagt zu dir: ‚Fürchte dich nicht.‘ Hab keine Angst. Vertrau mir. Jesus sitzt auf dem Thron. Er hat alles unter Kontrolle.

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Und sei ermutigt zu beten! Dein Gebet macht einen Unterschied! Rufe den Sieg Gottes über deiner Heimatstadt aus, über deiner Nachbarschaft. Proklamiere die Güte Gottes über unserem Land. Segne unsere Politiker. Bitte um Weisheit. Tritt ein für die Menschen moslemischen Glaubens, dass sie heim finden zum Vater aller Vaterschaft.

Das ist vielleicht die wichtigste Aufgabe, die wir als Christen in diesen Zeiten haben: das Gebet. Nein, wir sind nicht hilflos und uns sind nicht die Hände gebunden. Wir haben das Vorrecht die Geschichte beeinflussen zu können, indem wir voller Zuversicht vor den Thron Gottes treten und einstehen für unser Land und unseren Kontinent und für die ganze Welt.

Der Herr ist für uns und nicht gegen uns. 

Hier noch ein paar hilfreiche, interessante Gedanken zur aktuellen Situation: 

Videobotschaft von Dr. Johannes Hartl

Interview mit einem Pressesprecher der israelischen Armee

Aufruf zum Gebet von Ben Fitzgerald (auf Englisch) 

 

photo credit: <a href=“http://www.flickr.com/photos/30478819@N08/27316985814″>Polizei</a&gt; via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/“>(license)</a&gt;
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Israel.

Ich möchte heute davon erzählen, was Gott in meinem Herzen tut, auf was er mich aufmerksam gemacht hat und welchen Weg ich bereits hinter mir habe…

Ich weiß nicht genau, wann ich angefangen habe mich für das dritte Reich und den Holocaust zu interessieren. Ich weiß nur, dass ich sehr jung war und dass meine Eltern versucht haben, mich von diesem Thema abzubringen, sie wollten mich schützen. Aber es war wie ein Magnet für mich. Ich holte mir heimlich Bücher über das KZ Auschwitz, ich verschlang Biographien von Holocaustüberlebenden. Ich weiß nicht, warum ich als Kind so ein intensives Interesse an diesem dunklen Kapitel der Menschheit hatte, vor allem weil es mich zum Teil auch sehr belastet hat. Ich vermute, dass die Sünden meiner Vorväter, die sie während des dritten Reiches begangen hatten, auf mir lasteten und ich einfach unbewusst einen Weg suchte, das Unvorstellbare zu verstehen; doch dazu später mehr.

Auschwitz
Als ich 13 oder 14 Jahre alt war reiste ich mit einer Gruppe nach Auschwitz. Es war Winter und eisig kalt. Die Hinfahrt im Zug war für mich schon tief bewegend. Ich stellte mir vor, dass die Juden vor ein paar Jahrzehnten den gleichen Weg nehmen mussten und dass sie das gleiche Ruckeln des Zuges auf den Gleisen in den Viehwaggons wahr nahmen.
Wir übernachteten in einer christlichen Gemeinde in der Stadt Oswiecim (Auschwitz) und ich erinnere mich, dass ich mich wie in Watte gepackt fühlte und alles wie durch einen Schleier wahr nahm. Jetzt war ich an dem Ort, über den ich schon soviel gelesen hatte. Das Grauen hängt dort noch in der Luft.
Das Ziel dieser Reise war in Auschwitz Gott um Vergebung für die Sünden unserer Vorfahren zu bitten. Da stand ich also als Teenager in der dicken Winterjacke am Ende der Gleise in Auschwitz-Birkenau. Ich fror trotz der warmen Kleidung und ich kann bis heute nicht verstehen, wie die Gefangenen damals auch nur einen Tag im eisigen polnischen Winter mit nur dieser dünnen Häftlingskleidung überleben konnten. Ich  erinnere mich, dass ich niederkniete und Gott stellvertretend um Vergebung bat. Wir sangen ein hebräisches Lied. Hinter uns die Ruinen der Krematorien. Über uns dunkle Wolken. Alles schien so unwirklich…die leeren Baracken, der pfeifende Wind.
Ein paar Jahre später lernte ich durch die Marienschwestern in Darmstadt eine Auschwitzüberlebende kennen. Marianne Adam hatte nach der Befreiung Jesus, ihren Messias, kennengelernt und als ich sie das erste Mal in Berlin traf, stand eine fröhliche und freundliche Frau vor mir. Keine Spur von Verbitterung, nur ein Hauch von Traurigkeit, von Melancholie umgab sie. Im kleinen Wohnzimmer hing ein großes Ölgemälde an der Wand, das eine wunderschöne, elegante Frau darstellte, Mariannes Mutter. Das Gemälde wollte nicht so recht in diese kleine Berliner Wohnung passen, es sprengte den Rahmen und erzählte von einer farbenfrohen  Geschichte, deren Ende die Nazis brutal bestimmt haben. Mariannes Mutter starb im KZ.
Marianne erzählte mir, dass nachts manchmal die Angst wieder kommt. Dann, so sagte sie, rufe sie den Namen Jesus laut aus und alles Böse müsse weichen. Die Begegnungen mit dieser außerordentlichen, mutigen Frau haben mich zutiefst geprägt.
Lange Zeit war ich einfach nur tief erschüttert über die Geschichte Deutschlands. Ich habe mich fürchterlich geschämt Deutsche zu sein. Ich konnte es nicht fassen, was für großes Unheil die Deutschen über so viele Menschen gebracht haben.
Irgendwann ist inmitten dieser Erschütterung ein Interesse für Israel gewachsen. Ich war sehr jung im Glauben und gerade mal ein angehender Teenager mit ziemlich vielen Macken und vielen nicht so guten Interessen, aber Gott hat meinen Blick auf das Volk Israel gelenkt und ich konnte meinen Blick nicht mehr abwenden. Ich kann es eigentlich nicht erklären, weil ich theologisch gesehen überhaupt keine Reife hatte und um mich herum keiner das Thema Israel aufgriff (außer ganz zaghaft meine Eltern), aber mit einem Mal liebte ich die Juden und das Land Israel. Anfangs war es eine sehr schuldbewusste Zuneigung, ich fühlte mich fast unwürdig Israel wohlgesonnen gegenüber zu stehen. Aber mein Herz für Israel wuchs und wuchs und mit 15 war es mir möglich mit meiner Mutter nach Israel zu reisen.

Ich war im siebten Himmel! Alles war schön und farbenfroh und exotisch und spannend. Ich stand am See Genezareth und stellte mir vor, diesen Ausblick hatte Jesus auch. Wir erlebten eine jüdische Hochzeit und das Wunder von Kanaan stand mir so deutlich wie noch nie vor Augen. Ich wurde im Jordan getauft und weinte Freudentränen. Es war einfach alles nur fantastisch und atemberaubend wunderbar. Ich hatte eine Leidenschaft für mich entdeckt und wurde mit Haut und Haar eine Israelliebhaberin. Ich verteidigte Israel voller Hingabe, sobald auch nur irgendjemand etwas gegen Israel sagte und mit der sog. Ersatztheologie daherkam (diese besagt, dass die Christen den Platz von Israel eingenommen hätten und alle Verheißungen Gottes in der Bibel nun nicht mehr für die Juden, sondern nur für die Christen gelten). Ich nahm an sämtlichen Israelkonferenzen teil und hörte hebräische Lobpreislieder rauf und runter. Ich war Teil einer Band, die hebräische Lieder sang und damit den Juden in meiner Heimatstadt dienen und ihnen eine Freude machen wollte. Wir versuchten auch eine Brücke zu schlagen zwischen Juden und Christen und warben um gegenseitiges Verständnis. Ich sang das Liebeslied an Jerusalem ‚Yerushalayim shel sahav‘ mit Inbrunst und Hingabe und es kam mehr als einmal vor, dass ich vor lauter Ergriffenheit auf der Bühne das Weinen anfing. Ich reiste alleine nach Israel um einer alleinerziehenden Mutter etwas unter die Arme zu greifen. Ich war Feuer und Flamme für Gottes Volk Israel.

Bis sich alles änderte.

Jemand warf mir eines Tages vor, ich wäre fanatisch und würde zu diesen durchgeknallten Israelfreaks gehören. Da ist etwas in mir zerbrochen. So hatte ich mich selbst noch gar nicht gesehen. Ich war einfach nur ehrlich leidenschaftlich und war vollkommen geschockt, dass das auf andere so wirken könnte, als hätte ich den Bezug zur Realität verloren. Ich dachte, es wäre das normalste der Welt als Christ hinter Israel zu stehen und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: ich war ein Einzelkämpfer und die allermeisten um mich herum, konnten mit meiner Hingabe überhaupt nichts anfangen. Das machte mir sehr zu schaffen.
Ich hielt noch ein paar Jahre durch, ich war überzeugt davon, dass auf meinem Leben eine Berufung für Israel lag, aber ich holte alles ein Level runter. Bloß nicht mehr so auffallen. Ich wollte meinen Platz finden in der christlichen Welt und meine Liebe zu Israel stand da plötzlich im Weg.
Ganz schleichend verabschiedete ich mich aus der Welt der hingegebenen Israelanhänger. Mit einem Mal fand ich, es ist keinem geholfen, wenn man so ‚überdrüber‘ Israel liebt. Die Juden finden es sehr wahrscheinlich einfach nur komisch und die meisten Christen können damit nichts anfangen. Das Kapitel Israel war für mich mit Anfang 20 mehr oder weniger abgeschlossen. Ich dachte, das war eine Phase, ich hätte meinen Teil getan.
Natürlich lag mir Israel weiterhin am Herzen. Ich konnte mich immer noch leidenschaftlich über die unfaire Berichterstattung in den Medien über Israel aufregen oder bekam feuchte Augen, wenn ich das ein oder andere Lied hörte. Und mein Mann ich und träumten davon einmal gemeinsam nach Israel zu reisen. Aber ich hielt das Ganze weit weg von meinem Herzen.
Umso erstaunter war ich, als ich bei der vergangenen MEHR während des Lobpreises plötzlich eine Israelflagge vor meinem inneren Auge sah. Ich konnte das überhaupt nicht einordnen und dachte, ich hätte mir das sicherlich nur eingebildet. Ein paar Monate passierte mir dasselbe nochmal im Gebetsraum: während des Lobpreises sah ich ganz deutlich die Flagge Israels. Mir kamen die  Tränen und ich fragte Gott, was das bedeuten soll.
Ungefähr zeitgleich fing ich an das Buch von Jobst Bittner ‚Decke des Schweigens‘ zu lesen. Jobst Bittner schreibt darüber, dass für die allermeisten Verbrechen während des zweiten Weltkrieges keine persönliche Buße getan wurde. Die Erbschuld kann bis in die dritte und vierte Generation weitergereicht werden und somit kann selbst ich noch direkt von dem betroffen sein, was meine Urgroßväter evtl. verbrochen haben. Plötzlich fiel mir wieder ein, dass mein Urgroßvater väterlicherseits ein SS Mann war. In dem Buch wird dazu ermutigt die eigene Familiengeschichte zu recherchieren, dass man möglichst detailliert die Sünden vor Gott bringen kann und eventuelle Folgen der Sünde durchbrechen kann. Jobst Bittner erzählt äußerst erstaunliche, ermutigende Zeugnisse von Freisetzung in diesem Bereich.
Das ist das eine ‚Schweigen‘ – dass nicht über den Holocaust und all die Verbrechen geredet wird. Soviel ist noch nicht aufgearbeitet, weil dieses Schweigen in den Familien und in den Kirchen und Gemeinden herrscht.  Aber Jobst Bittner schreibt, es gäbe noch ein anderes Schweigen. Das Schweigen der Christen zu Israel heute. Kein wiedergeborener Christ würde sich als Antisemit bezeichnen (davon gehe ich jetzt mal aus) und sich offen gegen die Juden stellen, ABER was Israel sich in der Siedlungspolitik leistet, das ist schon allerhand. Und den letzten Terroranschlag, ja, das ist schon schlimm, aber letztendlich sind sie doch selber schuld, so wie die die Palästinenser behandeln.
Als letzten Sommer auf Deutschlands Straßen Parolen wie ‚Juden ins Gas‘ gegrölt wurden, gab es keinen Aufschrei von den Christen. Kein gemeinsames Aufstehen gegen diese schrecklichen Vorkommnisse. Heutzutage wird Juden in Deutschland geraten ohne die Kopfbedeckung ‚Kippa‘ außer Haus zu gehen, weil sie das als zu eindeutig als Jude kennzeichnen würde und damit in Gefahr bringen würde. Erst vor kurzem wurde einer Jüdin, die an ihrer Davidssternkette ‚erkannt‘ wurde, ein Sitzplatz in einer Berliner S-Bahn von zwei muslimischen Frauen verweigert. (Quelle: honestly concerned)

Vor ein paar Tagen habe ich mir eine Predigt von Mike Bickle (International House of Prayer, Kansas City) angehört über genau dieses Thema. Und er sagt (sinngemäß): ‚Es ist nicht genug, nicht gegen Israel zu sein. Es gibt für uns keinen neutralen Ort. Wir müssen uns als Christen lautstark und eindeutig an der Seite Israels positionieren.‘
Ich musste mir eingestehen, dass ich über so viele Jahre geschwiegen habe, weil ich dazugehören wollte. Ich wollte ein cooler Christ sein, der nicht aneckt. Darüber musste ich Buße tun, weil Gott mir erstens ganz persönlich einen Auftrag gegeben hat, das Volk Israel zu lieben und weil es zweitens schlicht und ergreifend Teil meines christlichen Glaubens ist, an der Seite der Juden zu stehen. Jesus war ein Jude. Jesus liebt die Juden. Jesus liebt Israel. Und was Jesus liebt, das will ich auch lieben – ohne wenn und aber.
Bedeutet das nun, dass ich alles gut heißen muss, was der Staat Israel macht? Nein, denn hier geht es nicht um weltliche Politik. Hier geht es um Gottes Herzensanliegen, um seinen Heilsplan, dass die Juden den Messias Jesus erkennen und dass wir als Heiden mit den Juden in Jesus eins werden. Der Feind setzt alles daran, dass das nicht zustande kommt, deshalb ist es nicht gerade erstaunlich, dass der Antisemitismus seine Wurzeln im Christentum hat.
Israel wird von der ganzen Welt angefeindet. Der Judenhasss zeigt wieder seine hässliche Fratze. Weltweit wird dazu aufgerufen israelische Produkte zu boykottieren. Kommt uns das bekannt vor? ‚Deutsche, kauft nicht bei Juden‘? (Hier ein Link zu einer Petition gegen die Kennzeichnungspflicht israelischer Waren) Die UN verkündigen eine Resolution nach der anderen gegen Israel, lässt aber Länder wie Nordkorea oder Syrien außer Acht. Israel ist massiv bedroht durch den Terror von Hamas und ISIS und der Iran macht keinen Hehl daraus, dass Israel von der Landkarte getilgt werden muss.
Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass wir als Christen aufwachen und uns darauf besinnen, dass die Bibel, die wir lesen, ein jüdisches Buch ist, dass der Jesus, den wir anbeten, ein jüdischer Messias ist und dass wir die Ewigkeit in einer jüdischen Stadt verbringen werden, Jerusalem.

Mir persönlich ist es schmerzhaft bewusst geworden, dass ich viel zu lange geschwiegen habe.
Teil meiner Identität als Christ, ist meine jüdische Wurzel. Die will ich jetzt wieder neu entdecken und mich auf die Reise machen, den jüdischen Jesus kennen zu lernen. Nicht das blonde, pausbäckige Baby in der bavarian-style Krippe. Sondern den Löwen von Juda. Den König der Juden.

Buchempfehlungen:  Was wird der Morgen bringen, Marianne Adam und Ella Salomon
                                         Die Decke des Schweigens, Jobst Bittner
                                          Israel, der Judenhass und das Schweigen der Welt, Daniel Leon

 Mehrteilige Lehrserie zum Thema Israel von Johannes Hartl: Israel – geliebt, gehasst, erwählt.