For your eyes only

used to wonder

I recently read this quote and it really hit me.  (Deutsche Version hier clicken)

When I am around a new set of people, a new job.  I become quite consumed with the thought “What are others thinking of me?”  And so it was no different for me when I started at the Prayer House.  For years this was my constant working modus:  How am I impacting others – What is my effect on them.  Am I impressing others?  Do they like me?  This may be true and important for a sales or leadership job, but this frame of mind simply does not work when you pray.

In the prayer room these questions are a battle I desperately want to overcome.  For how can I be in prayer focusing on God and be more concerned of what impression I am making on the others in the room? …   Is it good that I raised my hands? , Did they think my prayer was good – should I kneel now?   I caught myself in this frame of mind and it was keeping me from truly encountering the King of Kings.

How much of my prayers are more for the ears of others around me than really for the one I am praying to?  How often are my actions more for their eyes instead of His?  Who am I looking at when I am praying? If I want to really be in prayer my heart cannot be in two places at the same time.

The saying I read gripped me at the proper time as I started at the Prayer House.  Now when I go into the prayer room and open the door I often say under my breath “for You”.  The same when I go into a meeting room full of people I try to ask myself that question “Do you love them” – instead of “what do they think of me”.  This instantly changes my perspective from fear to love.

In prayer it is not about impressing others but about loving the One.

God, I want to be someone who prays “For your eyes only”!

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Nur unter deinem Blick

used to wonder

Vor einiger Zeit habe ich diesen Satz gelesen und er hat mich tief getroffen.  (For English Version click here)

Wenn ich unter Menschen bin, die ich noch nicht gut kenne oder eine neue Arbeitsstelle anfange, dann wird dieser Gedanke übermächtig: ‚Was denken die anderen von mir?‘
Genauso war es für mich auch, als ich im Gebetshaus als neuer Missionar meinen Dienst begann. Viele Jahre lang war mein Arbeitsmantra wie ich andere positiv beeinflussen kann, welchen Eindruck ich bei meinen Kollegen hinterlasse. Ist mein Gegenüber von mir beeindruckt? Bin ich beliebt? Im Bereich von Verkauf und Leiterschaft mögen das wichtige Gedanken sein – wenn man aber betet, bedeutet das alles nichts.

Im Gebetsraum angekommen wollte ich diese Fragen bekämpfen.  Denn wie kann ich mich im Gebet auf Gott konzentrieren, wenn ich mehr damit beschäftigt bin, was andere gerade von mir denken? Ist es jetzt ein guter Moment die Hände zu erheben? War mein Gebet gut formuliert? Soll ich mich jetzt hinknien? Immer wieder ertappe ich mich dabei, diesen Fragen nachzugehen. Das hindert mich an der Begegnung mit dem König aller Könige.

Wie viele meiner Gebete sind eigentlich für die Ohren derer bestimmt, die um mich herum sind, als für den, den ich anbete? Wie oft tue ich etwas, damit es hier auf der Welt gesehen und anerkannt wird, anstatt es nur für Jesus zu tun? Wo schaue ich hin, wenn ich bete? Wenn ich wirklich im Gebet versunken sein will, dann kann mein Herz nicht an zwei verschiedenen Orten sein.

Den Satz ‚Nur unter deinem Blick‘ habe ich gerade rechtzeitig zum Start im Gebetshaus gelesen. Wenn ich den Gebetsraum betrete, dann sage ich in meinem Herzen: ‚Für dich‘. Wenn ich in ein Meeting gehe, dann versuche ich mich zu fragen: ‚Liebe ich diese Menschen‘, anstatt ‚Was denken sie von mir?‘. Das verändert meine Perspektive sofort von Furcht in Liebe.

Im Gebet geht es nicht darum andere zu beeindrucken, sondern den Einen zu lieben.

Herr, lass mich nur unter deinem Blick beten.

Fürchte dich nicht

Es hat uns in den vergangenen Wochen fast den Atem verschlagen. So viele schreckliche Dinge sind passiert, dass man kaum hinterher kam und schon ein mulmiges Gefühl hatte, die Tagesschau App zu öffnen.

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Die Begriffe ‚Islamistisches Attentat‘, ‚Selbstmordattentäter‘ rückten plötzlich mit so vertrauten Orten wie Würzburg, Ansbach, Reutlingen zusammen. Das, was bis vor kurzem noch weit weg war, passiert mit einem Mal fast vor der eigenen Haustüre.

Worte können kaum beschreiben wie dankbar wir sind, dass es Orte wie den Gebetsraum in Augsburg gibt. Orte der Hoffnung. Orte der Zuversicht. In Bremen, in Stuttgart, in Nürnberg – überall wird gebetet und nicht erst seit den Anschlägen. Das ist die gute Nachricht in diesen verwirrenden, angstmachenden Zeiten! Unsere Gebete machen den Unterschied. Unsere Gebete bringen Licht ins Dunkel. Unsere Gebete sind wie ein Anker für unsere Herzen. Unsere  Gebete richten unseren Blick neu aus auf Jesus und rücken die Geschehnisse wieder in die richtige Perspektive.

Jesus spricht in den Schrecken unserer Tage laut und deutlich: ‚Fürchtet euch nicht.‘

Und das möchte ich dir zusprechen. Der Herr sagt zu dir: ‚Fürchte dich nicht.‘ Hab keine Angst. Vertrau mir. Jesus sitzt auf dem Thron. Er hat alles unter Kontrolle.

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Und sei ermutigt zu beten! Dein Gebet macht einen Unterschied! Rufe den Sieg Gottes über deiner Heimatstadt aus, über deiner Nachbarschaft. Proklamiere die Güte Gottes über unserem Land. Segne unsere Politiker. Bitte um Weisheit. Tritt ein für die Menschen moslemischen Glaubens, dass sie heim finden zum Vater aller Vaterschaft.

Das ist vielleicht die wichtigste Aufgabe, die wir als Christen in diesen Zeiten haben: das Gebet. Nein, wir sind nicht hilflos und uns sind nicht die Hände gebunden. Wir haben das Vorrecht die Geschichte beeinflussen zu können, indem wir voller Zuversicht vor den Thron Gottes treten und einstehen für unser Land und unseren Kontinent und für die ganze Welt.

Der Herr ist für uns und nicht gegen uns. 

Hier noch ein paar hilfreiche, interessante Gedanken zur aktuellen Situation: 

Videobotschaft von Dr. Johannes Hartl

Interview mit einem Pressesprecher der israelischen Armee

Aufruf zum Gebet von Ben Fitzgerald (auf Englisch) 

 

photo credit: <a href=“http://www.flickr.com/photos/30478819@N08/27316985814″>Polizei</a&gt; via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/“>(license)</a&gt;
photo credit: <a href=“http://www.flickr.com/photos/36908075@N03/4329432316″>Turn my Darkness into Light</a> via <a href=“http://photopin.com“>photopin</a&gt; <a href=“https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/2.0/“>(license)</a&gt;

Die verborgenen Stunden

Letzte Woche durfte ich wie jeder Gebetshausmissionar einmal im Quartal eine Woche lang die Nachtschicht von 3:00 – 6:00 Uhr im Gebet unterstützen.

Ich war dem ganzen von Anfang an positiv eingestellt, da ich meine allerersten Berührungen mit dem Gebetshaus mit der Nachtschicht verbinde.  Ich betete eine Zeit lang Mittwochs von 4:00 – 6:00 Uhr und pendelte dann nach München in meine Arbeit. Das war nicht leicht so früh auf zustehen, aber es hat sich immer gelohnt.

Und so auch dieses Mal.  Ich glaube nicht, dass ich als Gebetshaus Missionar das Gefühl von „Verrücktheit“ von dem was ich mache (24/7 Gebet) je komplett verlieren werde und alles in Routine übergeht.  Ich musste letzte Woche öfters in mich hineinlachen als ich um 2:30 Uhr aufstand und durch die menschenleere Straßen fuhr – nicht um eine wertvolle Produktion aufrecht zu erhalten, eine alles entscheidende Präsentation vor zu bereiten oder einen Notfall zu lösen …sondern um zu beten!  Es packt mich noch immer:  Der Gedanke „Warum tust Du das eigentlich, Jeremy?“  „Das ist doch verrückt!!“  „Lohnt sich diese Anstrengung wirklich?“  Ich bin so froh wenn diese Gedanken aufkommen, denn sie rücken alles wieder zurecht.  Sie halten Routine und Stumpfheit von meinem Gebet fern. Sie zwingen mich auf den Grund zu gehen und prüfen meine Motivation.  Fahre ich mitten in der Nacht zum Gebetshaus nur weil mein Name auf einem Schichtplan steht? …Oder weil meine Kollegen auf mich zählen?   …Oder weil es die Pflicht verlangt?

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Schnell taucht in mir dann der befreiende Gedanke in mir auf, dass Jesus eben DOCH würdig ist Tag und Nacht angebetet zu werden  Ja!  Es darf mir auch was kosten ihn anzubeten.  Und oh! Er enttäuscht nicht…!  Es hat sich gelohnt.

Ich war müde – sehr sogar (wir hatten gerade das Wochenende davor die HOPES im Gebetshaus). Ich fühlte mich, als ob ich alles gegeben habe – leer.  Eigentlich ein Gefühl das ich bis jetzt nur aus meiner  Arbeit im Infineon Konzern kannte:  alle Ressourcen, Kräfte und Register gezogen für die Arbeit …NUR dieses Mal war da etwas anders.   Ich war mitten in der Nacht um Zeit mit dem Herrn aller Herren zu verbringen – dem Schöpfer – mein Erlöser, der für mich alles hingab. Ich war da um Dinge in der unsichtbaren Welt zu bewegen und für die Nöte dieses Landes zu beten.  Es ist etwas besonderes mitten in der Nacht zu beten.

Im Gebetshaus Augsburg findet von 2:00-4:00 Uhr immer Fürbitte statt.  Als ich um 3:00 Uhr in den Raum kam war schon ein Gebetseifer im Raum zu spüren, der mich schnell wach rüttelte und mich zum Mitbeten anregte. Da ist eine Klarheit und Reinheit mitten in der Nacht; die geistliche Atmosphäre scheint weniger ‚verschmutzt‘.  Meine eigenen Gedanken, Wünsche und ToDo Listen schlafen noch,  so dass ich mich komplett auf Gottes Herz ausrichten kann.  Irgendwie ist nachts zu beten auch eine Form des Fastens…es macht leer um von Ihm gefüllt zu werden.

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Als ich mit meiner Frau verlobt war, haben wir oft bis spät in die Nacht telefoniert.  Jede Strapaze in unserer Fernbeziehung war mir recht um sie auch nur für ein paar kurze Stunden zu sehen oder mit ihr zu reden.

Hast Du auch solche Momente gehabt?

Wo ruft Jesus Dich wieder zur ersten Liebe zurück?  Wie könntest Du diese Woche Dich an Gott verschwenden?

Als König David den Tempel bauen wollte und nach einem geeigneten Grundstück suchte, wurde ihm ein geeigneter Platz umsonst angeboten. Ich liebe es, wie König David auf diesen billigen Deal reagierte:

„Ich möchte dem Herrn nicht ein Opfer darbringen das mich nichts gekostet hat.“ 1. Chroniker 21:24

HOPES 2016

Die letzten Tage waren sehr aufregend für uns. Im Gebetshaus fand zum zweiten Mal die HOPES statt (Houses Of Prayer European Summit).

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(photo credit: Gebetshaus Augsburg)

40 Gebetshäuser aus ganz Europa waren vertreten. Die Teilnehmer kamen zum größten Teil in privaten Unterkünften unter und wir hatten das Privileg Karel und Thomas aus dem Gebetshaus in Nantes, Frankreich willkommen zu heißen. Vor zwei Jahren waren Kev und Katie vom Gebetshaus Stoke-on-Trent, England bei uns zu Gast. Es ist faszinierend Menschen aus verschiedenen Ländern, mit verschiedenen kirchlichen Hintergründen kennenzulernen und doch den gleichen Herzschlag zu haben: das 24 Stundengebet.

 

Ich war während der Konferenz nicht vor Ort im Gebetshaus, sondern zu Hause bei den Kindern. Aber Jeremy hat mir natürlich viel erzählt und dank einiger Facebook Videos konnte ich ein wenig von der wundervollen Atmosphäre schmecken, die während der vergangenen drei Tage dort geherrscht hat.

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Teilnehmer der HOPES 2016. Wer findet Jeremy? =) photo credit: Gebetshaus Augsburg

Gott bereitet seine Kinder auf etwas Großartiges vor: Erweckung in ganz Europa! In den Tagen vor der HOPES fand in Genf eine Konferenz statt, wo geistliche Leiter aus Europa (das Gebetshaus war von Johannes Hartl vertreten) und der ganzen Welt sich beraten haben, wie man so viele Menschen wie nur möglich mit dem Evangelium erreichen kann. 100 Millionen Seelen sollen gerettet werden – das ist die große Zahl, die dort genannt wurde. Für Gott ist nichts unmöglich und dieser Traum ist auch auf Gottes Herzen. Dieses Video gibt einen kleinen Einblick in das Treffen in Genf (auf Englisch).

Wie passend,  dass gleich darauf die HOPES statt fand, wo sich Menschen getroffen haben, die genau diese Erweckung auf dem Herzen haben und sie im Gebet vorbereiten wollen.

 

 

Israel.

Ich möchte heute davon erzählen, was Gott in meinem Herzen tut, auf was er mich aufmerksam gemacht hat und welchen Weg ich bereits hinter mir habe…

Ich weiß nicht genau, wann ich angefangen habe mich für das dritte Reich und den Holocaust zu interessieren. Ich weiß nur, dass ich sehr jung war und dass meine Eltern versucht haben, mich von diesem Thema abzubringen, sie wollten mich schützen. Aber es war wie ein Magnet für mich. Ich holte mir heimlich Bücher über das KZ Auschwitz, ich verschlang Biographien von Holocaustüberlebenden. Ich weiß nicht, warum ich als Kind so ein intensives Interesse an diesem dunklen Kapitel der Menschheit hatte, vor allem weil es mich zum Teil auch sehr belastet hat. Ich vermute, dass die Sünden meiner Vorväter, die sie während des dritten Reiches begangen hatten, auf mir lasteten und ich einfach unbewusst einen Weg suchte, das Unvorstellbare zu verstehen; doch dazu später mehr.

Auschwitz
Als ich 13 oder 14 Jahre alt war reiste ich mit einer Gruppe nach Auschwitz. Es war Winter und eisig kalt. Die Hinfahrt im Zug war für mich schon tief bewegend. Ich stellte mir vor, dass die Juden vor ein paar Jahrzehnten den gleichen Weg nehmen mussten und dass sie das gleiche Ruckeln des Zuges auf den Gleisen in den Viehwaggons wahr nahmen.
Wir übernachteten in einer christlichen Gemeinde in der Stadt Oswiecim (Auschwitz) und ich erinnere mich, dass ich mich wie in Watte gepackt fühlte und alles wie durch einen Schleier wahr nahm. Jetzt war ich an dem Ort, über den ich schon soviel gelesen hatte. Das Grauen hängt dort noch in der Luft.
Das Ziel dieser Reise war in Auschwitz Gott um Vergebung für die Sünden unserer Vorfahren zu bitten. Da stand ich also als Teenager in der dicken Winterjacke am Ende der Gleise in Auschwitz-Birkenau. Ich fror trotz der warmen Kleidung und ich kann bis heute nicht verstehen, wie die Gefangenen damals auch nur einen Tag im eisigen polnischen Winter mit nur dieser dünnen Häftlingskleidung überleben konnten. Ich  erinnere mich, dass ich niederkniete und Gott stellvertretend um Vergebung bat. Wir sangen ein hebräisches Lied. Hinter uns die Ruinen der Krematorien. Über uns dunkle Wolken. Alles schien so unwirklich…die leeren Baracken, der pfeifende Wind.
Ein paar Jahre später lernte ich durch die Marienschwestern in Darmstadt eine Auschwitzüberlebende kennen. Marianne Adam hatte nach der Befreiung Jesus, ihren Messias, kennengelernt und als ich sie das erste Mal in Berlin traf, stand eine fröhliche und freundliche Frau vor mir. Keine Spur von Verbitterung, nur ein Hauch von Traurigkeit, von Melancholie umgab sie. Im kleinen Wohnzimmer hing ein großes Ölgemälde an der Wand, das eine wunderschöne, elegante Frau darstellte, Mariannes Mutter. Das Gemälde wollte nicht so recht in diese kleine Berliner Wohnung passen, es sprengte den Rahmen und erzählte von einer farbenfrohen  Geschichte, deren Ende die Nazis brutal bestimmt haben. Mariannes Mutter starb im KZ.
Marianne erzählte mir, dass nachts manchmal die Angst wieder kommt. Dann, so sagte sie, rufe sie den Namen Jesus laut aus und alles Böse müsse weichen. Die Begegnungen mit dieser außerordentlichen, mutigen Frau haben mich zutiefst geprägt.
Lange Zeit war ich einfach nur tief erschüttert über die Geschichte Deutschlands. Ich habe mich fürchterlich geschämt Deutsche zu sein. Ich konnte es nicht fassen, was für großes Unheil die Deutschen über so viele Menschen gebracht haben.
Irgendwann ist inmitten dieser Erschütterung ein Interesse für Israel gewachsen. Ich war sehr jung im Glauben und gerade mal ein angehender Teenager mit ziemlich vielen Macken und vielen nicht so guten Interessen, aber Gott hat meinen Blick auf das Volk Israel gelenkt und ich konnte meinen Blick nicht mehr abwenden. Ich kann es eigentlich nicht erklären, weil ich theologisch gesehen überhaupt keine Reife hatte und um mich herum keiner das Thema Israel aufgriff (außer ganz zaghaft meine Eltern), aber mit einem Mal liebte ich die Juden und das Land Israel. Anfangs war es eine sehr schuldbewusste Zuneigung, ich fühlte mich fast unwürdig Israel wohlgesonnen gegenüber zu stehen. Aber mein Herz für Israel wuchs und wuchs und mit 15 war es mir möglich mit meiner Mutter nach Israel zu reisen.

Ich war im siebten Himmel! Alles war schön und farbenfroh und exotisch und spannend. Ich stand am See Genezareth und stellte mir vor, diesen Ausblick hatte Jesus auch. Wir erlebten eine jüdische Hochzeit und das Wunder von Kanaan stand mir so deutlich wie noch nie vor Augen. Ich wurde im Jordan getauft und weinte Freudentränen. Es war einfach alles nur fantastisch und atemberaubend wunderbar. Ich hatte eine Leidenschaft für mich entdeckt und wurde mit Haut und Haar eine Israelliebhaberin. Ich verteidigte Israel voller Hingabe, sobald auch nur irgendjemand etwas gegen Israel sagte und mit der sog. Ersatztheologie daherkam (diese besagt, dass die Christen den Platz von Israel eingenommen hätten und alle Verheißungen Gottes in der Bibel nun nicht mehr für die Juden, sondern nur für die Christen gelten). Ich nahm an sämtlichen Israelkonferenzen teil und hörte hebräische Lobpreislieder rauf und runter. Ich war Teil einer Band, die hebräische Lieder sang und damit den Juden in meiner Heimatstadt dienen und ihnen eine Freude machen wollte. Wir versuchten auch eine Brücke zu schlagen zwischen Juden und Christen und warben um gegenseitiges Verständnis. Ich sang das Liebeslied an Jerusalem ‚Yerushalayim shel sahav‘ mit Inbrunst und Hingabe und es kam mehr als einmal vor, dass ich vor lauter Ergriffenheit auf der Bühne das Weinen anfing. Ich reiste alleine nach Israel um einer alleinerziehenden Mutter etwas unter die Arme zu greifen. Ich war Feuer und Flamme für Gottes Volk Israel.

Bis sich alles änderte.

Jemand warf mir eines Tages vor, ich wäre fanatisch und würde zu diesen durchgeknallten Israelfreaks gehören. Da ist etwas in mir zerbrochen. So hatte ich mich selbst noch gar nicht gesehen. Ich war einfach nur ehrlich leidenschaftlich und war vollkommen geschockt, dass das auf andere so wirken könnte, als hätte ich den Bezug zur Realität verloren. Ich dachte, es wäre das normalste der Welt als Christ hinter Israel zu stehen und plötzlich fiel es mir wie Schuppen von den Augen: ich war ein Einzelkämpfer und die allermeisten um mich herum, konnten mit meiner Hingabe überhaupt nichts anfangen. Das machte mir sehr zu schaffen.
Ich hielt noch ein paar Jahre durch, ich war überzeugt davon, dass auf meinem Leben eine Berufung für Israel lag, aber ich holte alles ein Level runter. Bloß nicht mehr so auffallen. Ich wollte meinen Platz finden in der christlichen Welt und meine Liebe zu Israel stand da plötzlich im Weg.
Ganz schleichend verabschiedete ich mich aus der Welt der hingegebenen Israelanhänger. Mit einem Mal fand ich, es ist keinem geholfen, wenn man so ‚überdrüber‘ Israel liebt. Die Juden finden es sehr wahrscheinlich einfach nur komisch und die meisten Christen können damit nichts anfangen. Das Kapitel Israel war für mich mit Anfang 20 mehr oder weniger abgeschlossen. Ich dachte, das war eine Phase, ich hätte meinen Teil getan.
Natürlich lag mir Israel weiterhin am Herzen. Ich konnte mich immer noch leidenschaftlich über die unfaire Berichterstattung in den Medien über Israel aufregen oder bekam feuchte Augen, wenn ich das ein oder andere Lied hörte. Und mein Mann ich und träumten davon einmal gemeinsam nach Israel zu reisen. Aber ich hielt das Ganze weit weg von meinem Herzen.
Umso erstaunter war ich, als ich bei der vergangenen MEHR während des Lobpreises plötzlich eine Israelflagge vor meinem inneren Auge sah. Ich konnte das überhaupt nicht einordnen und dachte, ich hätte mir das sicherlich nur eingebildet. Ein paar Monate passierte mir dasselbe nochmal im Gebetsraum: während des Lobpreises sah ich ganz deutlich die Flagge Israels. Mir kamen die  Tränen und ich fragte Gott, was das bedeuten soll.
Ungefähr zeitgleich fing ich an das Buch von Jobst Bittner ‚Decke des Schweigens‘ zu lesen. Jobst Bittner schreibt darüber, dass für die allermeisten Verbrechen während des zweiten Weltkrieges keine persönliche Buße getan wurde. Die Erbschuld kann bis in die dritte und vierte Generation weitergereicht werden und somit kann selbst ich noch direkt von dem betroffen sein, was meine Urgroßväter evtl. verbrochen haben. Plötzlich fiel mir wieder ein, dass mein Urgroßvater väterlicherseits ein SS Mann war. In dem Buch wird dazu ermutigt die eigene Familiengeschichte zu recherchieren, dass man möglichst detailliert die Sünden vor Gott bringen kann und eventuelle Folgen der Sünde durchbrechen kann. Jobst Bittner erzählt äußerst erstaunliche, ermutigende Zeugnisse von Freisetzung in diesem Bereich.
Das ist das eine ‚Schweigen‘ – dass nicht über den Holocaust und all die Verbrechen geredet wird. Soviel ist noch nicht aufgearbeitet, weil dieses Schweigen in den Familien und in den Kirchen und Gemeinden herrscht.  Aber Jobst Bittner schreibt, es gäbe noch ein anderes Schweigen. Das Schweigen der Christen zu Israel heute. Kein wiedergeborener Christ würde sich als Antisemit bezeichnen (davon gehe ich jetzt mal aus) und sich offen gegen die Juden stellen, ABER was Israel sich in der Siedlungspolitik leistet, das ist schon allerhand. Und den letzten Terroranschlag, ja, das ist schon schlimm, aber letztendlich sind sie doch selber schuld, so wie die die Palästinenser behandeln.
Als letzten Sommer auf Deutschlands Straßen Parolen wie ‚Juden ins Gas‘ gegrölt wurden, gab es keinen Aufschrei von den Christen. Kein gemeinsames Aufstehen gegen diese schrecklichen Vorkommnisse. Heutzutage wird Juden in Deutschland geraten ohne die Kopfbedeckung ‚Kippa‘ außer Haus zu gehen, weil sie das als zu eindeutig als Jude kennzeichnen würde und damit in Gefahr bringen würde. Erst vor kurzem wurde einer Jüdin, die an ihrer Davidssternkette ‚erkannt‘ wurde, ein Sitzplatz in einer Berliner S-Bahn von zwei muslimischen Frauen verweigert. (Quelle: honestly concerned)

Vor ein paar Tagen habe ich mir eine Predigt von Mike Bickle (International House of Prayer, Kansas City) angehört über genau dieses Thema. Und er sagt (sinngemäß): ‚Es ist nicht genug, nicht gegen Israel zu sein. Es gibt für uns keinen neutralen Ort. Wir müssen uns als Christen lautstark und eindeutig an der Seite Israels positionieren.‘
Ich musste mir eingestehen, dass ich über so viele Jahre geschwiegen habe, weil ich dazugehören wollte. Ich wollte ein cooler Christ sein, der nicht aneckt. Darüber musste ich Buße tun, weil Gott mir erstens ganz persönlich einen Auftrag gegeben hat, das Volk Israel zu lieben und weil es zweitens schlicht und ergreifend Teil meines christlichen Glaubens ist, an der Seite der Juden zu stehen. Jesus war ein Jude. Jesus liebt die Juden. Jesus liebt Israel. Und was Jesus liebt, das will ich auch lieben – ohne wenn und aber.
Bedeutet das nun, dass ich alles gut heißen muss, was der Staat Israel macht? Nein, denn hier geht es nicht um weltliche Politik. Hier geht es um Gottes Herzensanliegen, um seinen Heilsplan, dass die Juden den Messias Jesus erkennen und dass wir als Heiden mit den Juden in Jesus eins werden. Der Feind setzt alles daran, dass das nicht zustande kommt, deshalb ist es nicht gerade erstaunlich, dass der Antisemitismus seine Wurzeln im Christentum hat.
Israel wird von der ganzen Welt angefeindet. Der Judenhasss zeigt wieder seine hässliche Fratze. Weltweit wird dazu aufgerufen israelische Produkte zu boykottieren. Kommt uns das bekannt vor? ‚Deutsche, kauft nicht bei Juden‘? (Hier ein Link zu einer Petition gegen die Kennzeichnungspflicht israelischer Waren) Die UN verkündigen eine Resolution nach der anderen gegen Israel, lässt aber Länder wie Nordkorea oder Syrien außer Acht. Israel ist massiv bedroht durch den Terror von Hamas und ISIS und der Iran macht keinen Hehl daraus, dass Israel von der Landkarte getilgt werden muss.
Ich glaube, dass es an der Zeit ist, dass wir als Christen aufwachen und uns darauf besinnen, dass die Bibel, die wir lesen, ein jüdisches Buch ist, dass der Jesus, den wir anbeten, ein jüdischer Messias ist und dass wir die Ewigkeit in einer jüdischen Stadt verbringen werden, Jerusalem.

Mir persönlich ist es schmerzhaft bewusst geworden, dass ich viel zu lange geschwiegen habe.
Teil meiner Identität als Christ, ist meine jüdische Wurzel. Die will ich jetzt wieder neu entdecken und mich auf die Reise machen, den jüdischen Jesus kennen zu lernen. Nicht das blonde, pausbäckige Baby in der bavarian-style Krippe. Sondern den Löwen von Juda. Den König der Juden.

Buchempfehlungen:  Was wird der Morgen bringen, Marianne Adam und Ella Salomon
                                         Die Decke des Schweigens, Jobst Bittner
                                          Israel, der Judenhass und das Schweigen der Welt, Daniel Leon

 Mehrteilige Lehrserie zum Thema Israel von Johannes Hartl: Israel – geliebt, gehasst, erwählt. 

 

Zwischen zwei Welten

Jeremys neuester Blogpost auf deutsch:

Gebet ist für mich der Ort, wo zwei Welten aufeinander prallen. In den letzten Wochen ist das mir oft im Gebetshaus Augsburg passiert: die Geschäftigkeit meines Herzens knallt gegen die Mauer des Gebets. Kennst du dieses Gefühl?busyness

Gebet in all seiner scheinbaren ‚Nutzlosigkeit‘, Andersartigkeit. Eine gefühlte Unproduktivität reibt sich an den Werten dieser Welt, den Werten meines Herzens.

Meine Zeit als Vollzeitler im Gebetshaus ist so aufgebaut, dass ich 25 Stunden im Gebetsraum betend verbringe und die restlichen 17 Stunden ’normale‘ Arbeitsstunden habe. Langsam aber sicher füllt sich diese Zeit mit größeren Projekten und langen to-do-Listen. Ich bin als Leiter des Gebetshausshops eingeteilt und das bringt viele neue Aufgaben mit sich, vor allem weil das Gebetshaus mehr und mehr Menschen erreicht. Dank meiner vorhergehenden Arbeit in einer Personalabteilung, kann ich im Gebetshaus auch dabei helfen, das Personalwesen zu strukturieren. All das begeistert mich und mir kommen viele Ideen – es gibt so viel zu tun! Dann bin ich auch herausgefordert in meiner Rolle als Ehemann und Vater einiges anzugehen … und dann gibt es ja auch noch die ganzen Projekte Zuhause, die Autoreifen, die endlich ausgetauscht werden müssen…noch mehr to-do-Listen.

Letzte Woche hatte ich so einen Moment, wo diese zwei Welten aufeinander geprallt sind. Ich bin extra früh in die Arbeit gegangen (ich liebe die frühen Morgenstunden!) und konnte zwei Stunden super produktiv arbeiten, bevor meine Gebetszeit um 8 anfing. Ich war in meinem Element: Emails schreiben, eine Power Point Präsentation abschließen, Mindmaping und eine Vorlage entwickeln. Dann war es 8 Uhr, Zeit in den Gebetsraum zu gehen. Ich war so verärgert! Was für eine unverschämte Unterbrechung meiner Produktivität!  Was für eine Zeitverschwendung…

Ich bin die Treppen ängstlich und mürrisch hochgegangen. Kennst du dieses Gefühl? Wenn die Geschäftigkeit des Lebens nach Aufmerksamkeit schreit und es sich einfach so falsch anfühlt still zu sein und zu beten.

Etwas habe ich in den vergangenen Wochen bereits gelernt: wenn ich in Gottes Gegenwart komme, ihm gleich mein ‚ja‘ zu geben – egal wie ich mich dabei fühle. Und das habe ich an jenem Morgen auch getan: ich habe Gott gesagt, wie ich mich fühlte und ihm die Erlaubnis gegeben, mit dieser Zeit nun das zu machen, was ER wollte. Es hat ein wenig gedauert, bis sich meine aufgewühlten  Gedanken beruhigten. Aber schließlich rückte die Schönheit seiner herrlichen Gegenwart alles auf seinen Platz. Die großartige ewige Realität brach in mein kleines geschäftiges Denken hinein und die Prioritäten ordneten sich wieder.

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Ich bin so dankbar für diese Herausforderung, der wir täglich begegnen. Diese Welten prallen immer dann aufeinander, wenn wir uns weigern, dass die Geschäftigkeit des Lebens unser Sklaventreiber wird und wir statt dessen unsere Augen auf den richten, der uns Brüder und Schwestern nennt und der sagt: ‚Meine Bürde ist leicht.‘

In den schnelllebigen Momenten muss ich immer an den Buchtitel von Bill Hybels denken:

‚Nie zu beschäftigt, nicht zu beten‘