Auf dem Wasser gehen

Spirit lead me where my trust is without borders
(Geist Gottes, führe mich dorthin, wo mein Vertrauen ohne Grenzen ist)
Let me walk upon the waters
(Lass mich auf dem Wasser gehen)
Wherever You would call me
(Wo auch immer du mich hinrufst)
Take me deeper than my feet could ever wander
(Führe mich tiefer, als meine Füße mich je tragen könnten)
And my faith will be made stronger
(dann wird mein Glauben stärker)
In the presence of my Savior.
(in deiner Gegenwart)

(Oceans, Hillsong)

himmelstockholm

Der Himmel über Stockholm gestern Nachmittag. 

Dieses Lied habe ich gestern im Flugzeug angehört und dachte mir, besser könnte man unser Herzensgebet kaum in Worte fassen. Der Herr sucht nach Menschen, die bereit sind ihre bisherigen Vorstellungen von ihm und davon, wir ihr Leben auszusehen hat, beiseite legen und ausrufen: ‚Herr, dein Wille geschehe, nicht meiner!‘ Als wir ziemlich genau vor einem Jahr die Entscheidung getroffen haben, ins Gebetshaus zu gehen, war das – menschlich gesehen – eine absolut verrückte, sogar unverantwortliche Entscheidung. Was ist seitdem passiert? Der Start war holprig, wir hatten Angst, nicht genügend finanzielle Unterstützer zu finden, wir mussten sämtliche Sicherheiten loslassen. Und dann kam Gott. Immer und immer und immer wieder überrascht er uns mit seiner Vorsorge, seiner Güte. Wir leiden keinen Mangel. Unser Glaube ist in Dimensionen gewachsen, die wir uns vor einem Jahr kaum vorstellen konnten. Wir beten: ‚Gib mir einfach nur Jesus.‘ Alles ist sinnlos und nutzlos, wenn wir Jesus nicht haben. Würden wir uns wieder so entscheiden? Alles hinzulegen, um näher bei Jesus zu sein? Ja, absolut.

Gott hat uns gestern auf unserem Weg nach Stockholm so gesegnet. Wir hatten keine Verspätungen und haben ohne Probleme unsere Wohnung gefunden. Unser Vermieter hat für uns ein günstiges Taxi für die Rückfahrt zum Flughafen organisiert (soweit hatten wir noch gar nicht gedacht…). Vom Fenster sieht man die Friends Arena wo seit gestern Nacht alles für die Konferenz aufgebaut wird. (Hier ein Video von Ben Fitzgerald und anderen aus der Friends Arena). Heute Abend um 19 Uhr geht es los. Es besteht die Möglichkeit, das alles live auf God.tv zu verfolgen!

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Die Aussicht von unserer Wohnung in Stockholm – im Hintergrund die Friends Arena! 

Wir genießen jetzt noch das herrliche herbstliche Sonnenwetter und schauen, ob Stockholm wirklich so schön ist, wie ich mir das immer vorgestellt habe! =)

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Stockholm, wir kommen!

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Herzliche Grüße vom Münchner Flughafen! Bald geht unser Flug Richtung Stockholm und wir sind aufgeregt! Gestern wurde uns nochmal klar, dass wir wirklich bei Awakening Europe dabei sein sollen – denn es lief alles schief. Es ist wirklich so: Anfechtungen können eine gute Bestätigung sein, dass man Gottes Willen tut.

Und so sitzen wir jetzt hier und warten auf das Boarding. Für mich als Mama ist es gerade ziemlich schwer, meine Kinder nicht um mich zu haben und bald so weit weg von ihnen zu sein (obwohl ich weiß, dass sie bei Jeremys Eltern gut aufgehoben sind =)).

Jeremy und ich haben uns in den letzten Tagen über diese Reise unterhalten und was uns antreibt nach Stockholm zu fliegen um bei Awakening Europe dabei zu sein. Der Grundtenor ist, dass wir einen unglaublichen Hunger nach mehr von Jesus haben. Wir sehnen uns danach, von ihm berührt zu werden und verändert zu werden. Wir wollen da sein, wo er wirkt, wo etwas Mächtiges im Reich Gottes passiert, wo sich Dinge bewegen. Wir wollen inspiriert werden für unser alltägliches Leben mit Jesus, wir wollen mutiger unseren Glauben bekennen und die Ängste in unseren Herzen besiegen. Manchmal muss man sich tatsächlich auf den Weg machen, ein Zeichen setzen, Gott zeigen – nicht nur sagen – wie ernst es uns mit unserer Sehnsucht ist.

Wir erwarten Großes von Gott. Großes für die Menschen in Stockholm, in Schweden und ganz Skandinavien. Ben Fitzgerald, der Gründer von den Awakening Events, hat vor ein paar Tagen erzählt, dass sich Fernsehsender in ganz Skandinavien – von den Färöer Inseln bis nach Lettland – zusammen getan haben, um das gesamte Event live (!) zu übertragen. So ist es praktisch jedem Skandinavier in den nächsten Tagen möglich, von Jesus zu hören. Wir sind gespannt auf die Einsätze in Stockholm, wo wir die Liebe Jesu ganz praktisch demonstrieren werden.

Und wir erwarten auch Großes für uns ganz persönlich. Das vergangene Jahr war, besonders für mich, nicht einfach. Ich habe viel aufarbeiten müssen, habe große Ängste durchlitten. Schon länger habe ich den Eindruck, dass diese Reise – die für mich kein Zuckerschlecken ist – meiner Seele Heilung bringen wird. Es fühlt sich für mich so an, als würde ich aus dem sicheren Boot aussteigen und auf dem Wasser gehen. Vom menschlichen her wäre es vielleicht besser gewesen, ich hätte mich erstmal ordentlich erholt und wäre dann stabil und ohne Angst losgegangen. Aber der Herr ruft uns dazu auf, auch Risiken für ihn einzugehen, ihm zu 100% zu vertrauen, kein Netz und doppelten Boden unter sich zu haben zu wollen, ihn unsere einzige Hoffnung sein zu lassen. Da stehe ich gerade. Stockholm ist für mich eine Kampfansage an den Feind: Ich lasse mich nicht einschüchtern. Jesus ist größer als meine Angst.

Und so steigen wir gleich voller Zuversicht in das Flugzeug.

 

Katholischer Kulturschock

Ich hoffe, dass meine katholischen Freunde mir diesen Blogtitel vergeben, aber besser könnte man meine Erfahrungen im letzten Jahr nicht beschreiben. Ich bin im positiven Sinne schockiert und bewegt von dem, was ich von meinen katholischen Brüder und Schwestern gelernt habe. (For this Blog in English click here)

Ich bin wie fast jeder evangelikaler Amerikaner mit einer antikatholischen Einstellung groß geworden. Ganz ähnlich wie Nathanael aus der Bibel habe ich gesagt: ‚Was kann denn Gutes aus der katholischen Kirche kommen?‘ Das habe ich über viele Jahre tatsächlich geglaubt – heute schäme ich mich für meinen Stolz und meine Vorurteile. Ich war extrem skeptisch allem katholischem gegenüber, mein Elternhaus und der theologische Einfluss, dem ich ausgesetzt war, haben meine Einstellung nur bestätigt. Ich möchte hier aber keine theologische Auseinandersetzung anstoßen, sondern einfach nur davon erzählen, was im vergangenen Jahr in meinem Herzen passiert ist.

Meinen ersten katholischen Kulturschock habe ich erlebt, als ich über das Buch ‚Nachfolge Christi‘ von Thomas a Kempis gestolpert bin, als ich das Leben von Vincent van Gogh studiert habe, der selbst sehr geprägt war von dieser Schrift. Thomas a Kempis, ein katholischer Mönch, verfasste ‚Nachfolge Christi‘ im Jahr 1418 und das Andachtsbuch wurde schnell ein weltweiter Bestseller. Ich selbst war tief bewegt von der praktischen Theologie und den Wahrheiten, die ich beim Lesen erkannt habe.

Aber das war alles nichts im Vergleich, was mich beim Gebetshaus Augsburg erwartete. Mir war natürlich bewusst, dass das Gebetshaus überkonfessionell arbeitet und von einem katholischen Theologen, Dr. Johannes Hartl gegründet wurde. Ich habe allerdings nicht erwartet, dass mich der tiefe Glaube meiner  katholischen Geschwister so tief berühren würde. Schon so oft hat mich die glasklare biblische Aussage der Lehren von Johannes Hartl tief getroffen. Was für eine Leidenschaft und Klarheit für Jesus! (Hier ein link zu einigen Vorträgen)

Einen weiteren ‚Schock‘ erlebte ich, als ich erfuhr, dass mein Schichtleiter für die Morgenschicht im Gebetsraum niemand anderes war, als ein katholischer Theologe aus Wien. Wien – die Stadt, in der ich mit meiner hochmütigen Einstellungen Katholiken gegenüber aufwuchs! Gott hat definitiv Humor. Ich bin so berührt von der Aufrichtigkeit meines Schichtleiters und seinem tiefen Glauben. Mit seinen jungen Jahren hat er schon mehrere Anbetungslieder geschrieben, die in ganz Deutschland gesungen werden.

Doch es geht noch weiter. Viele unserer finanziellen Unterstützer sind hingegebene Katholiken. Unsere Familie wurde in den letzten Monaten zwei Mal von katholischen Familien gesegnet, die uns in ihrem Zuhause einen Urlaub ermöglichten. Und man lernt Menschen nochmal ganz anders kennen, wenn man deren Bücherregale sieht. Da standen John Piper, C.S. Lewis und Pete Greig neben Cantalamessa und Papst Benedict. Sehr inspirierend!

Fast jeder aus meiner Morgenschicht im Gebetshaus hat einen katholischen Glaubenshintergrund. Wenn ich ihre Zeugnisse höre, kann ich es kaum fassen und bin mit echter Freude erfüllt. Ich liebe den christuszentrierten überkonfessionelen Geist im Gebetshaus. Nur an Orten wie diesen kann es passieren, dass ein evangelikaler Amerikaner von einem katholischen Priester zum Kaffee eingeladen wird und sich ein offenes, authentisches Gespräch über den Glauben entwickelt. So eine Erfahrung wünsche ich jedem Christen. Wenn du an so einem Austausch interessiert bist, dann ist es möglich das Gebetshaus jederzeit zu besuchen oder du nimmst an der großen Gebetshauskonferenz teil, der MEHR, die wieder im Januar 2017 stattfinden wird. 8000 Gläubige aus allen Denominationen werden in Augsburg zusammenkommen.

Ich empfinde tiefe Demut wenn ich den Glauben meiner katholischen Geschwister sehe. Alle meine Vorurteile und mein Unwissen haben sich als haltlos erwiesen und ich bin beschämt darüber, wie ich einst geurteilt habe.  Vor ein paar Wochen habe ich meinen Schichtleiter gefragt, ob ich ihn als Vertreter für alle Katholiken aus Wien um Vergebung für meinen Stolz bitten kann. Es war für mich ein sehr bedeutender Moment, als er mir Vergebung zusprach.

Natürlich ist mir noch vieles aus der katholischen Tradition fremd. Begriffe wie Medjugorie, eucharistische Anbetung, Heiligsprechung ergeben für mich (noch) keinen Sinn. Wem es ähnlich geht, empfehle ich an dieser Stelle das Buch ‚Katholisch als Fremdsprache‘ von Johannes Hartl.

Dieser Kulturschock, wie die meisten, hat sich als gesund und horizont-erweiternt erwiesen.

Catholic Culture shock

I hope my catholic friends will forgive me for the title of this blogpost, but it truly reflects my heart and experience over the past year.  I have been shocked and shaken in a positive way by my catholic brothers and sisters. (Für diesen Blog in Deutsch clicke hier)

You must know that I grew up like almost every American evangelical as anti-Catholic.  Much like Nathanael I said in my heart „Can anything good come from Catholics“.  I cringe at my pride and prejudice as I write this, but this is what I believed in my heart for so many years.  Fueled by doctrinal disputes and my upbringing I always was ultra-skeptical of anything coming out of the catholic church.  I do not wish to elaborate on the doctrinal issues that differ in this blog, but instead let you take part in the change in my heart that has taken place this past year.

My first culture shock actually came years back when I was introduced to Thomas a Kempis‘ „Imitation of Christ“ through my research on Vincent Van Gogh, who was greatly impacted by this reading.   Thomas a Kempis, a catholic monk, wrote this devotional book in 1418, which for centuries was the most widely read devotional book.   I was greatly impacted by the practical theology and the daily truths won out of this reading.

But that reading is nothing compared to what I experienced this year at the prayer house in Augsburg.  I knew when I started at the prayer house that it was an inter-denominational place founded by a catholic theologian, Dr. Johannes Hartl.  I didn’t expect though to be so touched by such deep faith.  I have been struck many times by the bible-centered heart that is displayed in the powerful teachings of Johannes Hartl.  What clarity, what passion for Christ!   (here link to youtube messages )

Another shock came when I found out that my prayerhouse leader for the morning shift is a catholic theologian from Vienna, Austria – the same city I grew up in with my so anti-Catholic thinking.   Was this God’s sense of humor?  I am touched by this man’s sincerity and deep faith.  He has already at his young age written great worship songs that are being sung all throughout Germany.

Further ripples of this shockwave touched my heart when I realized that so many of our financial supporters are devout Catholics.  Our family even benefitted twice by the kindness and hospitality of dear catholic friends who let us stay in their homes for vacation.  You get to know people even better when you are in their home and realize what books they read.  John Piper, C.S.Lewis and Pete Greig next to books by Cantalamessa and Pope Benedikt.

Almost everyone in  my morning shift has a catholic background.  I am still today often dumbfounded when I hear their testimonies and greatly overjoyed.  I love the Christ-centric interdenominational spirit of the prayer house.   It is only at the prayer house that an American evangelical, like myself, can be asked by a catholic priest to sit down with him for a cup of coffee and have a tremendous heart to heart conversation about faith. I wish everyone could experience this.  If you are interested you can come and visit us at any time or come to our big Conference MEHR  in January where over 8000 people from all kinds of Christian backgrounds come together.

I am utterly humbled by the faith of my catholic brothers and sisters.  All my preconceptions and prejudice have crumbled and left me ashamed for how I used to think.  A couple of weeks ago I asked my shift leader, the theologian from Vienna, if I could ask him as representative of all Catholics from Vienna for forgiveness for my pride and prejudice towards them.  It was a very moving moment in my heart when he spoke out to me forgiveness on behalf of the Viennese Catholics.

I still do not understand many things out of the catholic tradition.  Words like Medjugorje, Eucharistic adoration, veneration of the saints still bring utter puzzlement to my face.  Perhaps that will never quite change, but what I know has changed in my heart is my love and acceptance for my catholic brothers and sisters.

This culture shock, like most, has been good and healthy for my soul.

(For further thoughts on this, I encourage my German evangelical readers to read „Katholisch als Fremdsprache“ by Johannes Hartl.)