10 Tage im Gebetshaus Augsburg

Veränderungen! Ein komplett neuer Lebensstil! Die Umstellung zu einer neuen Art zu leben und zu arbeiten braucht Zeit. Es passiert nicht gleich am ersten Tag. Vor weniger als einem Monat war ich noch mittendrin in meiner Arbeit bei Infineon. Die vergangenen 10 Tage waren gefüllt mit Emotionen, Veränderungen, Anpassungen.

(This Blog in English please click here)

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Ich möchte ein wenig von meiner Zeit in den ‚Westlichen Wäldern‘ erzählen, wo ich ein Wochenende für mich alleine hatte. Es war wunderschön und ich habe einfach die Ruhe genossen. Der Stauden Meditationsweg ist es wert, dass man ihn begeht. Ich war voller Dankbarkeit. Ehrlich gesagt hatte ich ein wenig Sorge, dass ich während dieser Zeit der Reflektion melancholisch werden würde. Dass ich es ein wenig bereuen würde, meinen Job, meine Position und die Sicherheiten aufgegeben zu haben. Aber ich war überrascht welch tiefer Friede mich erfüllte und mein Herz war voller Dankbarkeit, dass Gott diese Tür aufgemacht hat und wie Er mich geführt hat. Ich war einfach nur froh, dass ich bald beim Gebetshaus anfangen konnte.
Ich bin sehr viel gewandert, ca. 15-30 km jeden Tag. Es hat sich so angefühlt, als würde ich mit den gelaufenen Kilometern einen Abstand bringen zwischen meiner alten und neuen Arbeit. Etwas Neues sollte nun bald beginnen und ich musste die Vergangenheit hinter mir lassen.
An meinem letzten Tag entschied ich mich spontan nicht mit dem Bus wieder nach Hause zu fahren, sondern zu wandern. Nach 6 Stunden kam ich in dem kleinen Städtchen Bobingen an und setzte mich in genau das Cafe, wo ich mich mit einem der Leiter des Gebetshauses 5 Monate vorher getroffen hatte. Das hatte ich so gar nicht geplant. In diesem Cafe fing ich damals ernsthaft an darüber nachzudenken, meinen Job zu kündigen, den Glaubensschritt hin zum Gebetshaus zu wagen und Gott zu vertrauen, dass er mich und meine Familie finanziell versorgen wird. Es war sehr bedeutsam wieder in diesem Cafe zu sitzen. Und Gott hatte noch eine Überraschung für mich bereit: als ich dort meine Emails durchlas, erfuhr ich, dass eine weitere Familie uns unterstützen möchte. Es war so, als würde Gott sagen: ‚Schau, ich versorge dich!‘

12814426_10153672046854821_1990389052464429317_nSo habe ich also meine Arbeit als GebetshausMissionar am 1. März mit müden Füßen und einem dankbaren Herzen begonnen. Es ist so ein großes Privileg für mich! Es war wunderbar und sehr bewegend, von meinen neuen Kollegen gesegnet zu werden. Und wie wunderbar ist es doch, Gottes Frieden und sein Wohlwollen zu spüren.

 

Eine meiner größten Fragen – die ich auch schon hier auf dem Blog erwähnt habe  – war: ‚Wie fühlt es sich an 4-5 Stunden jeden Tag zu beten?‘

Ich muss zugeben, dass die ersten zwei Tage ziemlich anstrengend waren. Ich wollte einfach Dinge erledigen, meine to-do-Liste abarbeiten, produktiv sein. Ziemlich schnell wusste ich nicht mehr für was ich noch beten sollte und dann war es einfach schwierig konzentriert zu bleiben.  Der Gebetsraum könnte kein stärkerer Kontrast zu meiner alten Arbeit sein, wo ein Meeting das nächste jagte.
Was für eine Verschwendung! Was für eine Hingabe!

  • Warum nur spielen diese 5 talentierten Musiker für zwei Stunden professionell wunderbare Anbetungslieder wenn doch der Raum fast leer ist?
  • Warum mit solcher Intensität für die Nöte unseres Landes beten, wenn doch kaum einer zuhört?
  • Warum all diese Zeit für das Gebet?

Das ist doch Verschwendung! Warum nur habe ich meine Karriere für so etwas aufgegeben?

An meinem dritten Arbeitstag habe ich beschlossen, nicht länger krampfhaft etwas ‚tun‘ zu wollen, sondern einfach nur ‚da‘ zu sein. Es hat mich mit voller Wucht getroffen für wen das alles hier passiert. All die Stunden, all die Lieder, all die Gebete, all die Stille, all die guten Musiker. All das, weil Jesus auferstanden ist, weil Er Herr ist und weil Er es wert ist. All diese ausgegossene ‚Verschwendung‘ war wie ein Kulturschock für mich, der ich noch getrieben war vom hektischen Arbeitsleben.

Ist das die wahre Liebe? Verschwenderisch, überfließend? Alles zu geben für den, den man liebt. In der Liebe geht es nicht um Effektivität, etwas zurück zu bekommen oder irgendeine Pflicht zu erfüllen. Liebe bedeutet immer von ganzem Herzen mehr geben zu wollen, immer weiter zu gehen.

Als wir für zwei Stunden im Gebetsraum mit Liedern und Gebet  zwei Verse über den Thronsaal Gottes (Offb. 4) meditierten, wurde mir bewusst, dass es nichts gibt, das wichtiger wäre. Nichts ist wichtiger als zu seinen Füßen zu sitzen und ihm all meinen Lobpreis zu geben. Ich kann mir nicht vorstellen meine Zeit sinnvoller einzusetzen.

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4 Gedanken zu „10 Tage im Gebetshaus Augsburg

  1. Danke für dein Mitteilen deiner guten Erfahrungen und anfänglicher Bedenken. Ich finde es so super, dass Ihr diesen weg als Familie und du als Mann geht… Es berührt mich sehr, deinen Post zu lesen. LG Matthias

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  2. Lieber Jeremy
    Danke für Deine ehrlichen und eindrücklichen Worte, was Du erlebt hast.
    Ich spüre in meiner Gebetszeit immer wieder das Verlangen aufzuhören und wegzulaufen.
    Ich erlebe das „nichts tun“ einfach „da sein“ dann als unangenehm oder dann drifte ich
    mit meinen Gedanken irgendwo hin weg, verbunden mit einem irgendwie „süssen“ Gefühl des
    Träumens. Dann wieder merke ich dies und kehre zu IHM zurück. Ein Bild einer russischen Christus Ikone, das in unserer Gebetsecke steht, hilft mir dabei, mich neu von IHM ansehen
    zu lassen, mich von IHM lieben zu lassen. Für mich ist dies etwas vom Wichtigsten und zugleich
    Schwersten, mich von IHM lieben zu lassen, der mich ganz, so wie ich gerade bin, ganz annimmmt.

    Ich spüre, je mehr ich IHM meine Zeit im einfach dasein schenke,ohne dabei auf die Uhr zu
    blicken, desto mehr kann ER mein Herz öffnen, so dass auch ich IHN lieben und anbeten kann.
    Und dann gibt es Tage, in denen ich mich wie innerlich gefroren fühle, einfach nur trockene
    Eiswüste. Ich kann mich auch kaum auf Jesus einlassen. In solchen Tagen habe ich erlebt, dass der Lobpreis an den Herrn das Eis allmählich zu schmelzen bringt, so dass ich mich wieder neu
    für IHN öffnen kann. Und in jenen Tagen, wo sich nichts öffnet, da lege ich IHM mein „gefroren sein“ vor Seine Füsse und ich weiss, dass ER auch damit etwas gutes machen wird.

    Das wiederholende Gebet des Jesus Gebetes mit dem Komboskini (der russischen Gebetsschnur) „Herr Jesus Christus, Sohn Gottes, erbarme dich meiner armer Sünder“
    führt mich neu immer wieder in eine demütige Gebetshaltung, auch besonders dann, wenn ein falscher Stolz sich meiner bemächtigt hat. In diesen Zeiten hilft mir die Lehre von Johannes:
    „Herr überführe mich, zeige mir, wo ich Dinge zulasse, die mich von Dir trennnen“
    Der Stolz kommt bei mir schleichend wie durch eine Hintertüre hinein, und oft merke ich es
    erst spät.

    Gestern Abend war ich im Gottesdienst. Als ich hineinkam, kniete ein junger Mann am
    Boden, hielt seine Mütze auf und bettelte um Geld. Zuerst ging ich an ihm vorbei, ohne
    ihn anzusehen, weil er mir unangenehm war. Schon wieder so ein Alkoholiker oder
    Drogen nehmender. Der Pfarrer sieht es nicht gern, wenn solche Leute vor oder sogar in der Kirche betteln.
    Doch es kam anderst. Ich wollte zu ihm zurück gehen und fragte ihn, ob ich für ihn beten dürfe. Ich weiss nicht, ob er mich verstand, aber ich bekam den Eindruck, dass es für ihn in Ordnung sei. Ich kniete mich auf seine Augenhöhe nieder, legte meine Hände auf ihn und fing an zu
    beten. Ich betete und es betete auch durch mich hindurch. Und es war so gut.
    Kam nicht Jesus gerade auch für solche Menschen wie er in die Welt?

    Gott der Herr bewahre mich vor irgend einer Form von Stolz, wenn ich dies so erzähle.

    Ich denke, als Christen dürfen, sollen und müssen wir Menschen sein, die segnen und für
    andere beten und einstehen. Wieso sollen wir einem Bettler nebst dem Geldstück nicht
    noch viel mehr schenken, Den Segen des allmächtigen Herrn und das fürbittende Gebet für ihn.

    Ich wünsche Dir die Gnade der ganzen Hingabe Deines Seins an den Herrn als ein lebendiges
    Opfer IHM zu Ehre.
    Sei reich gesegnet durch IHN der uns alle in IHM vereint und verbindet.
    Ludwig

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  3. Ich durfte selber mal Praktikum im Gebetshaus machen und eins der Dinge, die mich dort bewegt haben war es auf den Herrn zu warten. Wie oft steht in der Bibel davon geschrieben! „Harre auf den Herrn.“ Wie schwer ist das doch, einfach nur zu warten, scheinbar nichts zu tun und darauf zu hoffen dass die Gegenwart Gottes kommt, ihr zu begegnen. Dem Impuls zu widerstehen wortreiche Gebete zu beten oder tiefe Bibelstudien zu betreiben und damit eine Leistung vorzuweisen, was produktives zu tun… Stattdessen Nichtstun und Warten und Hoffen. Dem Herrn zeigen, dass die Begegnung mit Ihm es mir wert ist, dass ich hier sitze und warte bis Er mein Herz berührt. Auch wenn das dauert. Auch wenn die Gedanken oft ganz wo anders sind. Diese Sehnsucht hält mich dort, ich suche Ihn wie ein Hirsch der nach frischem Wasser lechzt. Da wird etwas in unserem Herzen wachgeküsst von der sanften Liebe des Erlösers.
    Das wünsche ich dir von Herzen (und während ich schreibe erwacht die Sehnsucht auch in meinem Herzen wieder ganz neu). Wenn wir Ihn suchen, so lässt Er sich finden! Halleluja!

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